Was bedeutet Erotik?

Erotik – ein Fluidum, in das Menschen eintauchen, die sich mehr als sympathisch sind. Erotische Anziehungskraft ist weit mehr als sexuelles Begehren, ist gleich einem unerfülltem Liebesschauer, kraftvoll und von außen nicht zu durchbrechen. Erotik – ein ätherischer Hauch, der sie umgibt, sie erfüllt mit geheimnisvollen und sehnsüchtigen Gefühlen. Ein unerfülltes Liebesverlangen, begonnen mit einer Berührung, einem zartem Kuss, ein Streicheln, ein Wort. Nicht die Körperlichkeit bestimmt die Erotik, eher das Unausgesprochene, Verhaltene im wachsenden Begehren. Sie ist halb erfüllt, der erste Vorposten der Liebe. Die Erotik sondiert und orientiert über kommende Möglichkeiten. Sie gilt dort, wo das Bewusstsein über die Sehnsucht schwebt. Sie ist Grundlage der Schriftsteller für die Liebesdichtung, dient als Sujet für die Malerei, ist Stoff für Bildhauer, Musiker, Fotografen und Komponisten. Sie ist zündende Kraft und elektrischer Funke beginnender Liebe. Der Duden beschreibt die Erotik sachlich:“…mit sensorischer Faszination erlebte, den geistig-seelischen Bereich einbeziehende, sinnliche Liebe oder Sexualität“. Hat sich aber aus dem geistig-seelischen Bereich, dem ersten Wortspiel ein richtig gehendes Liebesvorspiel entwickelt, wird die Erotik zum unentbehrlichen Bestandteil körperlicher Lust. Erotik reduziert sich nicht auf den nackten Körper, gar auf seine biologische Funktion. Sie ist galant, ein zärtliches Spiel, umschließt den Geist, spielt mit körperlichen Reizen und Sinnen und körperliche Vereinigung. Der österreichische-ungarische Satiriker und Publizist Karl Kraus prägte für die Erotik folgende Aphorismen: „Erotik macht aus einem Trotzdem ein Weil“. Oder aber auf die männliche Seite bezogen: „Der Erotiker wird der Frau jedem gönnen, dem er sie nicht gönnt. In der Kunst werden sexuelle Illustrationen seit der Frühgeschichte der Menschheit in allen Kulturen dargestellt. Die Erotik verbindet sich meist mit der Wiedergabe von Fruchtbarkeitskulten, darin einbezogen die symbolische und magnetische Interpretation sexueller und erotischer Beziehungen und Geschlechtsorgane für das natürliche Fortbestehen jeglicher Gemeinschaften. Über die Jahrhunderte veränderte sich die erotische Kunst. Waren es in der Frühgeschichte das vorrangige Betonen des Fruchtbarkeitskultes, wurde schon mit dem Kamasutra in Indien ein lebensbejahendes und antiorthodoxes Lehrbuch der Liebe verwirklicht. Die jeweilige Klassengesellschaft verurteilte erotische Kunst, moralisierte ihren Ausdruck oder ließ z.B. im Rokoko ihrer Entfaltung freien Lauf. Erotische Kunst wurde zu dieser Zeit geistvoll-frivol in Szene gesetzt, durch Entblößung und Verhüllung und Ausspähungen intimer Zonen, spannungsvoll von Malern gezeigt. Bürgerlich-aufklärerische Malerei setzte dann der Freizügigkeit ein Ende: strengste Sittsamkeit, ja Prüderie wurde der Offenherzigkeit entgegen gesetzt. Durch die kapitalistische Gesellschaftsordnung wurde Sexualität wieder tabuisiert. Stilisiert wurde die Frau auf der einen Seite als sittsame und fürsorgliche Mutter, gleichzeitig als Hure, „femme fatale“ und total sexualisiertem Weib als ständig verfügbarem Lustobjekt. Dort liegen auch die Wurzeln von Pornographie, wo Sexualität als Ware verdinglicht, für die man wirbt und jetzt selbst Mittel für Werbung wird. Künstlerische Erotik ist immer präsent: Ob in der Musikindustrie, die mit erotischer Musik aus Jazz, Pop und Rock um diese Stilisierung und ihre Käufer wirbt, ob im Theater, wo klassische Theaterstücke oder ehemals verstaubte Operetten in moderneren erotischen Inszenieren zu sehen sind, ob es erotische Literatur ist, die den Büchermarkt inzwischen überschwemmt oder die alle umfassenden darstellenden Künste, die sich inzwischen mit allen Mitteln der künstlerischen Freiheit des Themas immer wieder bedienen – der Erotik kann man sich bis heute nicht verschließen. Sie wird uns immer in ihren Bann ziehen und wir sollten um sie wissen, sie erkennen und ihr uns nicht verschließen – diesem ätherischen Hauch, der erfüllt mit geheimnisvollen und sehnsüchtigen Gefühlen…

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Published in: on Februar 23, 2010 at 10:31 pm  Hinterlasse einen Kommentar  
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